· 

Die Reise geht weiter... (Kapitel 2)

Das Fundament steht. Aus dem Gedanken, dem enormen Einwegmüll entgegenzuwirken, ist eine Idee geworden und aus der Idee ein konkretes Konzept – ein faltbarer Mehrwegbecher. Bequem und einfach soll man ihn überall mit hinnehmen können und er soll am besten noch in die eigene Hosentasche passen. Dicht ist er, sodass kein Tropfen entweicht und die Hand- oder Hosentasche verschmutzt. Ach ja und das Material ist natürlich nachhaltig und umweltschonend. Also quasi der perfekte Begleiter für den zukünftigen Kaffee To Go!

 

 

Naja ganz so einfach ist es dann doch nicht. Was sich so leicht liest ist gar nicht so einfach in die Tat umzusetzen. Vom Startup Weekend haben wir bereits viel gelernt und neue Erkenntnisse aus unserer Recherche und unseren Interviews mit potenziellen Kunden gewinnen können. Wer sind z.B. unsere ersten Kunden? Wie können wir geeignete Marketingaktionen gestaltet, um den Markteintritt zu erleichtern usw. Was wir ebenfalls gelernt haben ist, dass es noch unzählige offene Fragen gibt. Welche Materialien eignen sich? Welche Falttechnik bietet sich für einen solchen Becher an? Wie bekommen wir den Becher dicht, sodass nichts mehr auslaufen kann? Fragen über Fragen. Die Idee geht also in die nächste Runde!

 

 

In der Uni habe ich dankbarerweise die Möglichkeit die Idee im Rahmen meines Gründungsmanagement-Schwerpunktes weiter voranzutreiben. Ich stelle also meine Idee meinen Mitstudierenden vor. Ich finde ein neues Team, das Lust hat mit mir gemeinsam die noch offenen Fragen zu klären und sich dem gigantischen Einweg-Müllberg entgegenzustellen. Aus dem Startup Weekend sind ebenfalls noch einige helfende Hände mit dabei, die uns unterstützen.

 

Nichtsdestotrotz, obwohl wir uns bereits einen Namen gemacht hatten, waren noch viele offene Fragen zu klären. Die Materialfrage war eine der kniffeligsten. Welches Material lässt sich falten, sich häufig wiederverwenden, ist hitzebeständig und nachhaltig in der Produktion und Entsorgung? Gar nicht so einfach das passende zu finden, welches unseren Ansprüchen gerecht wird. Also gingen wir wieder auf die Straße und fragten unsere potenziellen Kunden. Sie wissen nämlich am besten was sie wollen. Außerdem fragten wir Experten im Gebiet nachhaltige Materialien. Wir hatten letztendlich eine Bandbreite von verschiedensten Materialien gesammelt, die von Kunststoff aus Meeresalgen bis hin zu Bambus, Leder und Kraftpapier reichte. Schlussendlich war aber der Kunde der uns den wichtigsten Hinweis von allen gab. Er findet die Idee eines faltbaren Bechers unglaublich cool, aber er will eigentlich nicht noch einen eigenen Mehrwegbecher haben…

 

 

Da wir alle im Team dieselbe „Macher-Mentalität“ verfolgen, beschließen wir im Sommer 2017 einen „Bring deinen Becher Tag“ zu organisieren, um das allgemeine Bewusstsein der Menschen in Bremen zum Thema „Einwegmüll“ zu schärfen. Wir finden schnell einige Partner-Cafés und -Bäckereien, die bereit sind, an einem Tag bis zu 50% Rabatt auf den Kaffeepreis zu geben, wenn man seinen eigenen Mehrwegbecher mitbringt. Wir rühren also kräftig an der Werbetrommel und bringen die Leute schließlich dazu ihren eigenen Mehrwegbecher mitzubringen, Geld zu sparen und etwas Gutes für die Umwelt zu tun.

 

 

Schön und gut denkst du dir jetzt vielleicht, aber was hat das mit 'nem faltbaren Becher zu tun?! Stimmt! Irgendwie gar nichts. Oder vielleicht doch?

 

 

Unser Gedanke dabei ist, dass wir die Menschen erstmal mit der Thematik in Berührung bringen müssen. Zwar wurde das Thema „coffee to go Müll“ schon zu der Zeit medial etwas aufgeblasen, aber in unseren Augen noch nicht in dem Maße, als dass sofort jedermann unsere innovativen faltbaren Becher kaufen würde. Wir müssen also die Menschen erstmal dafür sensibilisieren. Ein sehr langer und mühseliger Prozess. Solche Aktionen, wie den "Bring deinen Becher Tag" eignen sich perfekt dafür. In unseren Augen war der Tag auch ein voller Erfolg. Zeitungen berichteten über uns, wir wurden zum Radio eingeladen und die Menschen machten mit. Das war das wichtigste für uns. Die Menschen verstanden unsere Botschaft und unser Anliegen.

 

 

Wow… Das war also unsere Erkenntnis. Alles was wir uns bis dahin erarbeitet hatten, schien nun irgendwie nutzlos. Wir waren am Ende angekommen. Unsere Idee gescheitert. Irgendwie schon wieder. Zumindest in meinen Augen, denn aus dem „smarten Becher“ mit NFC-Chip wurde ja auch schon nichts. Was also tun? Aufgeben?

 

Nicht mit mir, Kollege!

 

 

Neben meiner „Macher-Mentalität“ habe ich noch eine sehr stark ausgeprägte „Lernen-Mentalität“ oder „niemals stehenbleiben“ Maxime. Was haben wir also gelernt?

Zum einen, dass wenn man sich mit Mehrwegbecher beschäftigt und Cafés und Bäckereien darauf anspricht man in der Regel erstmal auf einen Kaffee eingeladen wird und sich gemeinsam darüber austauschen kann. Klasse! Kaffee für Lau! Da sag ich nicht nein! 😊 Zum anderen aber, und jetzt schlagen wir endlich die Brücke zu Cup2date, dass die Menschen sich eigentlich die ganze Zeit über ein Becherpfandsystem gewünscht haben und nicht noch einen eigenen Mehrwegbecher.

 

Becherpfandsystem = Nachhaltig. Ökologisch. Flexibel.

 

 

Das zweite Kapitel findet damit also auch sein Ende. Die Reise mit dem Beginn beim Startup Weekend nimmt seinen Lauf über das Studiprojekt - „Bring deinen Becher Tag“, wo wir die Menschen auf die Problematik hingewiesen haben und vor allem für uns eine der wichtigsten Lektionen gelernt haben – höre stets auf den Kunden, denn er sagt dir, wie dein Produkt aussehen soll! Im nächsten Kapitel geht die spannende Reise weiter. Sie erzählt, wie Cup2date geboren wird und wie sich das Projekt entwickelt hat. Stay tuned!