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Fangen wir endlich an! (Kapitel 3)

Also bis jetzt haben wir uns mit smarten Bechern mit NFC-Chip beschäftigt, uns einige Prototypen für einen faltbaren Mehrwegbecher angefertigt und eine „Bring deinen eigenen Becher“-Aktion ins Leben gerufen (siehe Kapitel 1 und 2). Okay wow. Nichts von dem hat irgendwie so richtig geklappt bzw. den Erfolg gebracht, den wir uns erhofft hatten. Wir haben gelernt, dass ein Mehrwegbecher-Pfandsystem für die Kunden da draußen am einfachsten und bequemsten ist. So einfach und bequem wie die lästigen Einwegbecher. Also gut. Dann ziehen wir nun also ein Becherpfandsystem auf. Neue Runde neues Glück. Mittlerweile bin ich (Walter) im Masterstudium (BWL – Gründungsmanagement & Marketing) angekommen und hab dankbarerweise wieder ein Kurs, indem ich eine eigene Idee entwickeln und vorantreiben kann. Kommt uns irgendwie bekannt vor, nicht wahr? Aber diesmal habe ich das Wissen von drei Startup-Weekends und zwei gescheiterten Projekten mit im Gepäck. Aufgeben?! Immer noch nicht mit mir, Amigo! Jetzt fangen wir erst richtig an!

 

Also es gibt wieder ein neues Team – zu siebt sind wir dieses Mal (Jana, Merle, Geske, Caro, Kevin, Lucian und ich). Dadurch, dass wir alle bereits in vielen Teams gearbeitet haben, gehen wir das ganze jetzt etwas strukturierter an, als zuvor. Erstes Meeting – jeder erzählt ein wenig über sich, sagt wo seine/ihre Stärken und Schwächen liegen und wo er/sie sich in 5 Jahren sieht (klassische Bewerbungsgesprächsfragen 😊). Schnell wird klar, dass wir sehr gut aufgestellt sind. Wir haben Kompetenzen im Bereich Finanzen, Logistik, Marketing und Vertrieb. Wuhu, Jackpot! Aber ich merke auch schnell, dass hier nicht alles Gründertypen sitzen. Es kann sein. Dass wir nach einigen Monaten wohlmöglich nicht mehr zu siebt hier sein werden, sondern sich doch einige lieber auf das restliche Studium konzentrieren und eine feste Anstellung suchen werden. Aber das ist okay. Je früher einem das klar wird, desto besser kann man sich darauf einstellen und damit umgehen. Für mich ist das Masterstudium eine Option, die aber nicht die allergrößte Priorität bei mir hat. Sobald sich etwas anderes ergeben sollte, fokussiere ich mich eher darauf. So bin ich an die Sache herangegangen.

 

Um beides erstmal unter einen Hut zu bekommen und möglichst alle im Team glücklich mit unserem Projekt zu machen, waren wir uns alle schnell einig, dass wir uns in dem Kurs eine 1,0 abholen wollen! Ziel steht also! Wie erreichen wir es? Indem wir etwas Großes abliefern. Gefordert wird von uns, dass wir ein Geschäftsmodell erarbeiten, Kunden befragen, einen Finanzierungsplan aufstellen und alles auf dem Papier so darstellen, dass man am Ende sagen könnte: „Jo, sieht gut aus – könnte klappen.“ Könnte klappen reicht uns aber nicht. Unser eigenes Ziel: Es muss klappen! Denn es gibt zwei Arten von Menschen: Die, die sagen, dass sie machen und die, die machen. Wir sind die Macher.

 

Aber bevor wir wirklich ein Pfandsystem auf die Beine stellen, müssen wir dennoch erst einmal ganz viel auf dem Blatt Papier festhalten. Wie funktioniert eigentlich ein Pfandsystem? Wie hoch soll das Pfand pro Becher sein? Wer reinigt die Becher? Wie funktioniert die Auslieferung bzw. die Umverteilung? Wie verdienen wir damit Geld? Wie bekommen wir die Partnercafés und -Bäckereien dazu mitzumachen? Wieder Fragen über Fragen. Wir teilen uns nach Kompetenzen auf und fangen an Frage für Frage zu recherchieren und eine mögliche Antwort zu finden. Wir schauen uns bereits bestehende Pfandsysteme an, wir befragen Kunden, was sie bereit sind für das Pfand zu bezahlen und stellen auf einer Karte sämtliche Cafés und Bäckereien dar, die für unser Pfandsystem in Frage kommen. Wir arbeiten strukturiert und treffen uns min. einmal die Woche, um unsere Ergebnisse den anderen zu präsentieren und darüber zu diskutieren. Alles klappt erstaunlich gut. Unser Team funktioniert. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Und wir sind schnell. Verdammt schnell sogar. Oh Junge! Solch ein Team hatte ich noch nie! Alle sind motiviert, alle haben ein genaues Ziel vor Augen und wollen am Ende die 1,0 auf dem Zeugnis. Um sie zu erreichen, setzen wir uns Unterziele und Meilensteine und arbeiten sie diszipliniert ab.

 

In unseren Meetings haben wir oft noch Zeit für Kreativphasen, wo wir z.B. über einen passenden Namen für unser Projekt „brainstormten“. Hier fiel zum ersten Mal der Name „Cup2date“. Kevin war derjenige, der ihn vorschlug – Danke Kevin! Andere Favoriten waren „Waycup“ und „Greencup“. Per Abstimmung legten wir uns fest. Cup2date war also geboren. Wir hatten nun einen Namen.

 

Unsere Idee nahm langsam Form an. Um uns aber wirklich sicher zu sein, dass unser Projekt auch klappt, mussten wir es testen. Es war mittlerweile Anfang Dezember 2017 und wir mussten bis Anfang Februar unsere Ergebnisse vorzeigen. Das hätten wir auch locker geschafft, wenn wir nur das abgeliefert hätten, was von uns gefordert wurde. Unser Ziel war aber viel größer. Wir wollten das Pfandsystem wirklich am Markt testen. Wir entschlossen uns eine Probewoche dafür anzusetzen, in der wir unser Mehrwegbecher-Pfandsystem in Bremen testen wollten. Wir legten uns auf den 17. – 24. Januar 2018 fest. Das war unsere Woche. Bis dahin mussten wir ausreichend Partner, Becher, Werbematerialen und vor allem Geld organisiert haben. Und das alles kurz vor Weihnachten. Ja Moin! Das nenn ich mal eine Herausforderung. Aber man kann viel mit sieben motivierten Menschen erreichen. Also trieben wir Sponsorengelder auf. Die Hilfswerft war uns eine große Unterstützung. Sie fördert soziale Projekte und half uns geeignete Unternehmen zu finden, die uns ein wenig Geld zur Verfügung stellten. Mit dem schmalen Budget kauften wir blanko Mehrwegbecher. Bedruckte wären zeitlich und mit unseren Mitteln nicht machbar gewesen. Damit unsere Becher aber trotzdem Cup2date zugeordnet werden konnten, entschieden wir uns dazu bedruckte Bechermanschetten mit unserem Logo und der unserer Partner zu bestellen und die Becher damit auszustatten. Langfristig natürlich keine Lösung, da die Manschetten Müll produzieren, den wir eigentlich vermeiden wollen. Für den Start, um überhaupt zu testen, ob ein Coffee To Go Pfandsystem funktioniert, eine einfache und günstige Variante. Zudem fertigten wir Flyer an, welche die Kunden später über uns und das Pfandprinzip informieren sollten.

 

Die Akquise von Cafés und Bäckereien war ein spannendes Kapitel. Alle aus dem Team halfen mit, denn es war der Kern unserer Idee. Viele sollten als Partner mitmachen, damit die Kunden es später sehr einfach und bequem haben unsere Becher zu bekommen und wieder abzugeben. Wir bildeten also kleine Teams von zwei bis drei Leuten und gingen raus auf die Straße. Wir gingen von Café zu Café, von Bäckerei zu Bäckerei, von Kiosk zu Kiosk. Keiner von uns hatte bisher eine solche Kaltakquise gemacht. Und es war im wahrsten Sinne des Wortes sehr kalt im Januar. Wir probierten einfach aus und sprachen die Mitarbeiter auf unser Projekt an und versuchten sie zu überzeugen mitzumachen. Wir entwickelten schnell eine Strategie, wie man am besten an die richtigen Ansprechpartner kommt und welche Argumente am effektivsten waren. Wir haben aber auch Absagen einkassiert mit den unterschiedlichsten Begründungen. Einige kümmert die Müllproblematik auch überhaupt gar nicht, was für uns erschreckend zu hören war und zu Lasten der Umwelt und Natur fällt.

 

Alles im allen haben wir durch unsere erste Akquise enorm viel gelernt. Als erstes, dass es bei fast allen Cafés einen warmen Kaffee aufs Haus gibt, wenn man sie freundlich zum Thema Einwegproblematik anspricht. Als zweites, dass zu viel Kaffee nicht gut ist und man nach dem Fünften sich damit abfinden muss, dass der Schlaf heute wohl ausfällt (so ging es mir zumindest – ich trinke sonst eher Tee als Kaffee und habe an dem Tag deutlich zu wenig geschlafen). Als drittes lernten wir, dass wir aus jedem Gespräch mit einem Abschluss gehen wollten. Sei es ein klares „Ja“, „Nein“ oder aber ein verbindlicher Termin zu einem anderen Zeitpunkt. Wir wollten kein larifari „Ja, hört sich gut an, ich melde mich die Tage bei euch“. Passiert eh nicht. Also drängten wir immer auf einen festen Termin, Telefonnummer und Ansprechpartner. Wir meldeten uns dann selber oder kamen noch einmal vorbei und holten uns dann ein klares „Ja“ oder „Nein“.

 

Aber die wohl wichtigste Erkenntnis war, dass es viele umweltbewusste Menschen da draußen gibt, die Lust haben sich für unseren Planeten einzusetzen und aktiv etwas dazu beitragen wollen. Man muss ihnen nur Lösungen aufzeigen und es für sie so einfach gestalten, dass es sie kaum Überwindung kostet mitzumachen. Unser Pfandsystem ist simpel erklärt, ist einfach in der Umsetzung, fördert das nachhaltige Image der Cafés und spart ihnen dabei ggfs. noch Geld. Alles Argumente die für Cup2date sprechen. Am Ende konnten wir 13 Partner für unsere Testwoche gewinnen, was uns überglücklich machte, denn es bedeutete, dass wir alles soweit in die Wege geleitet hatten, dass wir eine Woche lang quasi nur noch zuschauen und zuhören mussten, wie unser Projekt bei den Leuten ankam. Der sogenannte „Product-Market-Fit“ ist eine der wichtigsten Phasen für jedes neue Produkt. Er zeigt dir nämlich, ob es im Markt überhaupt Interessenten gibt, die dein Produkt auch nutzen. Wir haben bis zum 17. Januar 2018 komplett darauf hingearbeitet alles dafür vorzubereiten. Wir haben Gelder eingeholt, Partner akquiriert, Becher geordert, Werbematerialen gestaltet, eine Website aufgezogen, die Werbetrommel gerührt und dann war es endlich soweit. Die Testwoche war da. Endlich.

 

Das Pfandsystem funktionierte reibungslos. Die Zeitungen und Radiosender berichteten über unser System. Wir bekamen Anfragen von neuen Cafés. Die regionale Politik wurde auf uns aufmerksam. Aber das wichtigste war: Die Menschen nutzen es! Der Testlauf war ein voller Erfolg!

 

Anfang Februar präsentierten wir dann unseren Dozenten und Kommilitonen unsere Ergebnisse:

 

  • Von 13 auf 19 Partnercafés
  • Über 1000 Becher im Umlauf
  • Zahlreiche Artikel, Radioberichte und social Media Posts über uns
  • Wir führen Cup2date weiter!

 

 

Wir wurden im Kurs von allen Ideen für den ersten Platz in den Kategorien „Best Business Model“ und „Beste Pitch“ und für den zweiten Platz in der Kategorie „Best Business Idea“ ausgezeichnet.

 

 

Am Ende bekamen wir unsere Note: 1,0

 

 

ᕦ(ò_óˇ)ᕤ

 

 

 

 

Von links nach rechts hinten (Merle, Jana, Geske, Caro); Vorne (Lucian, Kevin, Walter)